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Hospiz

Hospiz

Themenübersicht


Definition


Was ist ein Hospiz?

Der Begriff Hospiz kommt vom lateinischen Wort „hospitium“ für Herberge und bezeichnet eine Einrichtung, in der unheilbar kranke Menschen in der letzten Phase ihres Lebens begleitet und versorgt werden. Zum Hospiz als Institution gehören die häufig relativ kleinen stationären Einrichtungen, die Palliativstationen in Krankenhäusern sowie ambulante Hospizdienste für die Betreuung zu Hause. Aufgenommen werden Menschen, bei denen ein Krankenhausaufenthalt nicht erforderlich und eine angemessene Betreuung zu Hause durch die Familie oder im Pflegeheim nicht möglich ist.
Mit dem Begriff Hospiz werden aber nicht nur formale Strukturen bezeichnet. Hinter der Hospizbewegung steckt ein inhaltliches Konzept mit weltweit einheitlichen Kennzeichen. Das Hospizkonzept wird durch die sogenannte Palliative Care, die ganzheitliche Betreuung Sterbender und ihrer Familien, in die Praxis umgesetzt. Ziel ist es, das Leben der Sterbenden bis zum Ende so angenehm wie möglich zu gestalten. Deutsche Hospize betreiben aber keine Sterbehilfe, also keine absichtliche Herbeiführung des Todes.

Hospiz-Konzept


Was kennzeichnet die Idee des Hospizes?

Der Palliativmediziner und Pionier der deutschen Hospizbewegung Johann-Christoph Student benennt fünf inhaltliche Merkmale, die Hospizangebote weltweit gemeinsam haben:

Palliative Care


Was versteht man unter Palliativmedizin?

Das Hospizkonzept ist stark mit der Palliative Care (lat. „pallium“ für „Mantel“, engl. „care“ für sorgen/pflegen) verwoben. Palliative Care ist ein eigenständiger Begriff, der in Fachkreisen meist nicht übersetzt wird. In diesem Zusammenhang werden auch die Begriffe Palliativmedizin, Palliativpflege, Palliativversorgung und Palliativarbeit verwendet. Es geht bei diesem Behandlungskonzept um eine ganzheitliche Betreuung schwerkranker Personen und ihrer Familien. Abhängig von den Bedürfnissen der Sterbenden umfasst die Palliative Care eine medizinische, psychologische und soziale Fürsorge sowie emotionale und spirituelle Unterstützung. Bei der in Hospizen praktizierten Palliativmedizin geht es im Gegensatz zu der kurativen Medizin nicht um die Heilung einer Krankheit und die Verlängerung der Lebenszeit, sondern um die Linderung der Symptome, vorallem der Schmerzen. Viele unheilbar kranke Menschen erhalten lebensverlängernde Behandlungen, die häufig mit langwierigen Krankenhausaufenthalten und kräftezehrenden Therapien verbunden sind. Einige Menschen wünschen sich jedoch keine durch solche Behandlungen erlangte kurzfristige Verlängerung ihres Lebens, sondern eine Chance, die ihnen verbleibende Zeit möglichst schmerzfrei und nach ihren Wünschen zu verbringen. Die Palliativarbeit hilft den Sterbenden dabei, ihr Leben so aktiv wie möglich zu gestalten.
Generell umfasst der Begriff Palliative Care mehr als die Hospizfürsorge. Die Palliativmedizin setzt oft schon zu Beginn der Krankheit an und kann auch parallel zur kurativen Medizin eingesetzt werden.

Finanzierung


Wie werden Hospizleistungen finanziert?

Die Krankenkasse (und abhängig von einer Pflegestufe die Pflegekasse) bezuschusst die stationäre oder teilstationäre Hospizversorgung zu 95 Prozent. Der Anteil der Krankenkasse wurde im Rahmen des Hospiz- und Palliativgesetzes (HPG) im Dezember 2015 von 90 Prozent auf 95 Prozent erhöht und ist im Sozialgesetzbuch (SGB) verankert. Die fünf Prozent Eigenanteil nimmt das Hospiz bzw. der Träger in der Regel durch Spendengelder ein.
Der ambulante Hospizdienst wird von fachlich geschulten ehrenamtlichen Helfern geleistet und wird ebenfalls von der Krankenkasse unterstützt. Für die Betroffenen sind die Hospizangebote seit August 2009 generell kostenfrei.

Geschichte


Wie haben sich Hospize entwickelt?

Die Geschichte des Hospizes als expliziter Ort der Sterbebegleitung reicht zurück in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1842 wurde in Lyon erstmals eine Einrichtung gegründet, die sich der Pflege Sterbender verschrieb. Die moderne Hospiz- und Palliativbewegung lässt sich auf die 1960er Jahre datieren. 1967 gründete die englische Ärztin, Krankenschwester und Sozialarbeiterin Cicely Saunders in London das St. Christopher’s Hospice. Erstmals wurde bei der Betreuung Sterbender die Schmerztherapie, eine wichtige Säule des modernen Hospizkonzepts, fokussiert. Auch Saunders war es, die wenige Jahre nach Eröffnung des St. Christopher’s Hospice den ambulanten Hospizdienst entwickelte, da sie in ihrer Arbeit bemerkte, dass viele Menschen lieber in ihrem eigenen Zuhause die letzte Phase ihres Lebens verbringen möchten. Zur weltweiten Verbreitung des Hospiz-Gedankens trug die in Zürich geborene Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross maßgeblich bei.
Die erste Palliativstation in einem deutschen Krankenhaus wurde 1983 im Universitätsklinikum Köln eröffnet. Das erste stationäre Hospiz Deutschlands entstand 1986 in Aachen. Weitere Hospize folgten, ebenso wie zahlreiche Bürgerinitiativen und ehrenamtliche Vereine, die für die Verbreitung der Sterbebegleitung eine maßgebliche Rolle spielten.
In Deutschland gibt es laut des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands 214 stationäre Erwachsenenhospize und 14 stationäre Hospize für Kinder und Jugendliche, rund 1.500 ambulante Hospizdienste und mehr als 250 Palliativstationen in Krankenhäusern (Stand: 2014).

Kinderhospiz


Was kennzeichnet ein Kinderhospiz?

In Kinderhospizen findet die Betreuung sterbenskranker Kinder, Jugendlicher, junger Erwachsener und ihrer Familien statt. In Großbritannien entstand 1978 das erste Kinderhospiz. Das erste deutsche Kinderhospiz, das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar, wurde 1998 in Olpe eröffnet.

  • Das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar
    Das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar
  • Kinder- und Jugendhospiz Balthasar - Abschiedsbereich
    Der Abschiedsbereich des Kinder- und Jugendhospizes Balthasar
  • Windräder im Garten des Hospizes als Andenken an die verstorbenen Kinder
    Windräder im Garten des Hospizes als Andenken an die verstorbenen Kinder

Es geht bei der Kinderhospizfürsorge um eine umfassende Behandlung aller Betroffenen auf psychischer, physischer und sozialer Ebene. Laut Definition der World Health Organization (WHO) beginnt die Palliative Care von Kindern bereits nach Feststellung der Diagnose. Die Familie wird auch nach dem Tod des Kindes betreut. Die Palliativversorgung schwerkranker Kinder setzt unabhängig davon ein, ob die Kinder eine Therapie erhalten, die sich gegen die Krankheit richtet. Die Fürsorge in Kinderhospizen nehmen den Eltern ein Stück der Belastung ab. So haben die Eltern einen kleinen Freiraum für sich und andere Familienmitglieder. Auch die gemeinsame Zeit mit dem Kind kann anders gestaltet werden, wenn die Palliativversorgung gesichert ist.

Weitere Quellen


Autor: Anja Rohde - Bildquellen: Headerbild © C. Sollmann / Bestattungen.de, Bildergalerie Kinderhospiz © Kinder- und Jugendhospiz Balthasar/ Fotografin Kathrin Menke


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